Über das Gesamtprojekt

Wir möchten mit diesem Projekt die wichtigsten politisch-satirischen Zeitschriften des vergangenen Jahrhunderts möglichst vollständig verfügbar machen. Alle hier publizierten Zeitschriften, der „Simplicissimus“, die „Jugend“ wie auch der „Wahre Jacob“, wurden in der Kaiserzeit gegründet und hatten über die Jahre der Weimarer Republik hinaus Fortbestand. Alle drei waren populäre Wochenschriften, die sich als zeitkritische Unterhaltungsblätter mit politischem Aufklärungsanspruch verstanden; Beiträge zu Kunst und Kultur – was den Begriff der politischen Kultur mit einschließt – fanden hier ebenso ein Forum wie scharfe und poitierte politische Satire. Dies aber macht sie als historische Quellen für den Alltag des Deutschen Reichs unersetzlich.

Um dem historisch interessierten Benutzer nicht nur eine „spontane“ Lektüre zu ermöglichen, sondern darüber hinaus einen gezielten Zugang zu bestimmten Themenbereichen zu erleichtern, wurden für dieses Projekt die Zeitschriften inhaltlich vollständig erschlossen. Alle erwähnten Personen, Geographika und Institutionen, historisch bedeutsame Ereignisse und auch, in vertretbarem Umfang, thematische Stichworte wurden in einem Schlagwörterverzeichnis (oder „Thesaurus“) versammelt, das einen direkten Zugang zu den betreffenden Textstellen erlaubt.

Umso notwendiger erscheint diese Erschließungsarbeit, als diese Zeitschriften dem Genre der Bildsatire zugehören: Die Besonderheit satirischer Beiträge liegt gerade darin, daß „das Gemeinte“ nicht beim Namen genannt wird, sondern zumeist umschrieben wird oder camouffliert, indirekt oder nur durch Verbildlichung zur Sprache kommt. Um diese Nennungen zu erfassen, wurden bei der Verschlagwortung möglichst auch Anspielungen expliziert.

Dieses Verfahren verläßt die formal-positivistische Erschließung, wie sie üblich und meist hinreichend ist. Die Projektbearbeiter möchten ausdrücklich darauf hinweisen, daß eine solche Verschlagwortung einem Verstehensprozeß entspringt und mithin nicht frei sein kann von Wertungen oder persönlichen Akzentuierungen. Natürlich gilt dies auch für das Glossar, das den Schlagwörtern als Begriffserklärung beigegeben ist. Als Gegengewicht zu diesem „Subjektivismus“ werden die Schlagwörter jeweils, wo möglich, mit einem Link zum Online-Lexikon „Wikipedia“ und der  Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek (GND) versehen.

Dadurch bringt die Verschlagwortung die Möglichkeit mit, die Stichworte wie einen Kommentar zu benutzen, d.h. zum Beispiel die Namenszuweisung zur Identifizierung einer gezeichneten Physiognomie oder die Themenstichworte als Hinweis auf eine im ersten Zugriff schwerverständliche Anspielung zu lesen. Dies verlangt eigentlich, daß alle Anspielungen erkannt und ihre Auflösung korrekt erfolgt sind. Ob und inwieweit das Projekt einem solchen Anspruch genügt, wird sich erweisen müssen. Jedenfalls bittet die Redaktion, nicht nur im Falle einer notwendigen Korrektur, sondern auch bei sinnvoll erscheinenden Ergänzung um eine Kontaktaufnahme – die Bearbeiter sind in jedem Falle für solche Hinweise dankbar und sagen schnellstmögliche Reaktion zu.

Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen, auch sind solche für keinen zukünftigen Zeitpunkt geplant. Urheberrechte wurden nach bestem Wissen und Gewissen respektiert. Sollte eine unwillkürliche Verletzung solcher Rechte unterlaufen sein, so bitten die Projektverantwortlichen um Mitteilung, - der entsprechende Beitrag wird dann unverzüglich maskiert.

Projektbeteiligte: 

  • Dr. Michael Knoche, Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB), Klassik Stiftung Weimar
  • Prof. Dr. Axel Gellhaus † , Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte, RWTH Aachen, 
    Fachbereich 7
  • Prof. Dr. Hans Otto Horch, Lehr- und Forschungsgebiet Deutsch-jüdische Literaturgeschichte, 
    RWTH Aachen, Fachbereich 7
  • Jutta Bendt, Deutsches Literaturarchiv Marbach (DLA)
  • Dr. Maria Effinger (Universitätsbibliothek Heidelberg)
  • Dr. Hans Zimmermann, Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Projektbearbeiter)

Digitalisierungsvorlagen

Als Vorlage für die Digitalisierung des „Simplicissimus“ stand ein Exemplar des Deutschen Literaturarchivs Marbach (DLA) zur Verfügung, das offenbar zum überwiegenden Teil dem Redakteur und Schriftleiter Hans Erich Blaich (alias Dr. Owlglaß) als Redaktionsexemplar gedient hat. Einige Ausgaben, die hier präsentiert werden, dürfen als Unikate, zumindest als Raritäten gelten. Die wenigen Fehlstellen sowie einige Sondernummern wurden aus den Beständen der HAAB Weimar ergänzt. Den äußerst seltenen Kriegsjahrgang 1944 hat die Bayerische Staatsbibliothek zur Verfügung gestellt, die Wilhelm-Busch-Jubiläumsausgabe stammt aus den Beständen der Stattlichen Grafiksammlung München.

Für die „Jugend“ und den „Wahren Jacob“ konnten wir auf die Digitalisierungen der Universität Heidelberg zurückgreifen. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, daß einige Abbildungen, vor allem Titelblätter, einer elektronischen Nachbearbeitung (entgilben, glätten etc.) unterzogen wurden, um Verständnis für die Wirkung zu erwecken, die moderne Drucktechnik auf den zeitgenössischen Leser gehabt haben muß. Einwände gegen ein solches Eingreifen sind berechtigt – wir bitten, im Zweifelsfall die Publikation der UB Heidelberg (hier) zu Rate zu ziehen.

Weimar, im Oktober 2014

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